Support für Internetuser in restriktiven Ländern

Prinzipiell finde ich das gut um den unterdrückten Menschen dort zu helfen!
Aber:
Was ist, wenn ich auf diesem Wege auch einem "bösen Buben" den Zugang ermögliche?
Neben den moralischen Bedenken, kann mir das irgendwann strafrechtlich auf die Füße fallen?
 
Snowflake habe ich schon lange installiert.
Was ist, wenn ich auf diesem Wege auch einem "bösen Buben" den Zugang ermögliche?
Neben den moralischen Bedenken, kann mir das irgendwann strafrechtlich auf die Füße fallen?


Du stellst doch lediglich eine Art Proxy und Tunnel bereit. Wenn Du mehr Bammel hast, damit einem "bösen Buben" zu helfen, als jemandem, der mittels TOR willkürliche und meist staatliche Beschränkungen damit umgeht, dann installierst Du es halt nicht.
 
Und wenn man irgendwo 'nen Server laufen hat, kann man das auch da laufen lassen. Die Dokumentation beschreibt das u.A. für Docker Compose, aber mit Podman läuft das genauso. Ich hab dafür unter ~/.config/containers/systemd/ die Datei "snowflake.container" mit folgendem Inhalt erstellt:
Code:
[Unit]
Description=Run the TOR Snowflake Proxy as a service
After=network.target

[Container]
Image=containers.torproject.org/tpo/anti-censorship/pluggable-transports/snowflake:latest
AutoUpdate=registry

[Service]
Restart=always
TimeoutStartSec=900

[Install]
WantedBy=default.target

Anschließend per
Bash:
systemctl --user daemon-reload
dem System bekannt machen und per
Bash:
systemctl --user enable --now snowflake.service
starten.
Mit
Bash:
systemctl --user status snowflake.service
kann man dann auch sehen wie stark es genutzt wird. Alternativ geht das natürlich auch z.B. mit Cockpit:
cockpit-service-podman-snowflake.png

Allerdings hilft das Tool den Menschen auch nur wenn einzelne Dienste oder IP-Bereiche gesperrt sind. Wenn das Internet komplett gekappt ist, kann damit auch keine Verbindung herbeigezaubert werden.

Was ist, wenn ich auf diesem Wege auch einem "bösen Buben" den Zugang ermögliche?
Neben den moralischen Bedenken, kann mir das irgendwann strafrechtlich auf die Füße fallen?

Zur allgemeinen Strafbarkeit schreibt das BSI dazu auf ihrer Website:
Das Bewegen im Darknet alleine ist nicht illegal, es stellt jedoch ein Sicherheitsrisiko dar. Durch die vielen Geschichten, die rund um das Darknet kursieren und die Anonymität der Nutzerinnen und Nutzer kommt leicht der Eindruck auf, das Netzwerk sei per se unzulässig. Straffällig werden Sie allerdings nur, wenn Sie illegale Inhalte konsumieren, herunterladen oder rechtswidrige Waren und Dienstleistungen erwerben oder anbieten.
Aber selbst davon abgesehen stellst du auch nur einen Einstiegspunkt für Menschen bereit, welche in irgendeiner Form von Sperren betroffen sind, der Ausgangspunkt zum "normalen" Internet ist noch ein paar Knoten weiter.
 
Sperren umgehen ist eine Sache, Überwachung eine andere. Die kann man erschweren, aber irgend ein Fingerprint bleibt immer, und wenn es nur der Einstieg vor Ort ist.
 
Um zu "deeskalieren" kann ja mal jemand mit mehr Ahnung als ich, beschreiben, wie snowflake funktioniert und was User*innen machen müssen, um snowflake zu nutzen. Ich habe es installiert, weil mir eine vertrauenswürdige Quelle gesagt hat, das es gut und hilfreich ist und mein Browser nicht kompromitiert wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
Einfach erklärt: In restriktiven Ländern wird der Zugang zum Tornetzwerk direkt blockiert. Das geht, weil die Liste sämtlicher Tor-Nodes, inklusive der Entry Nodes, öffentlich ist. Um die Blockade zu umgehen, bildet Snowflake eine sogenannte Bridge. Ein Rechner, der nicht zum Tornetzwerk gehört und dem Entry Node vorgeschaltet wird, also als Proxy funktioniert. Der Traffic wird dabei als WebRTC Traffic getarnt. Auf diese Art kann man die Blockade zum Tornetz umgehen.
 
Das Problem im Tor Netz ist, dass du die Adressen kennen musst. Es gibt sowas wie Google nicht. Aber im Prinzip ja, Tor Browser installieren, bekannte Adresse eingeben und los gehts.
 
Also installiere ich den TOR-Browser und surfe damit einfach los, oder wie nutze ich ??


Praktisch ist das so, da der TOR-Browser als Client eine Liste der Einwahlknoten abruft und sich dann mit einem solchen verbindet, über mehrere (3) Knoten weiterleitet und dann an einem Ausgangsknoten die eigentliche Verbindung zur aufgerufenen Seite herstellt. Ein direktes Verfolgen oder Abklopfen/Entschlüsseln der Verbindung ist damit per se also erst einmal nicht möglich.

Für das "lustige" Internet ist das aber nicht geeignet, weil der ganze Multimedia-Kram von TOR selber geblockt wird.



Snowflake stellt dabei halt lediglich die eigene Internetverbindung als Proxy automatisiert zur Verfügung.

Auszuschliessen ist aber nicht, dass guter Wille für böse Dinge ausgenutzt wird.

Das ist halt wie mit allen Werkzeugen. Wobei auch da differenziert werden muss, dass es z.B. Onion-Services gibt, die explizit für solche Zensurfälle gedacht sind und nur über TOR mit direkter Adresse aufgerufen werden können.

Das Darknet mit seinen "Angeboten" ist dabei ein Teil davon, welches sich TOR zunutze macht, um illegale Geschäfte abzuwickeln. Soll deswegen auf die Möglichkeit verzichtet werden, Restriktionen autoritärer Systeme und Organisationen umgehen zu können?

So als OT und meine Meinung:

Es wird z.B. niemand abstreiten, dass Snowdens Wissen um die Machenschaften von Geheimdiensten nützlich sind, denn durch ihn und andere Aktivisten wurde bekannt, dass diese eben nicht nur differenziert nach Gegnern suchen, sondern anlasslos und am liebsten alles und von jedem wissen wollen. Daran anhängend sollte man sich immer wieder erinnern, wenn auch eine bundesdeutsche Regierung ständig versucht, per Vorratsdatenspeicherung, Trojanern, Überwachen öffentlicher Räume usw. Behörden immer weiterreichende Befugnisse zu verschaffen. Die "Argumente" sind dabei nur zu gerne Cyberkriminalität oder Terrorismus, machen aber trotzdem pauschal jeden bereits im Vorfeld zum potentiellen Täter, während der Aufwand in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Anzahl von Straftaten und Tätern steht, die nur zu gerne immens aufgebauscht werden = FUD.

Der ach so "freie" Westen bewegt sich nämlich zugunsten einer ebenfalls nur suggerierten Sicherheit, die gerne mit der Phrase "Sicherheitsgefühl" kaschiert wird, man achte sehr präzise auf die Wortwahl von Politikern und Medien bei solchen Themen. Den Fingerzeig auf China, Russland und anderen repressive Staaten sollten wir uns langsam sparen.

Wer z.B. das Vorgehen eine ICE in den USA neben den Diensten und dem FBI, dass Verstricken von VS und BKA im Fall der rechten Mörder eines NSU mit einem nach wie vor unaufgeklärten Umfelds oder solche Fälle wie die eines Murat Kurnaz, Achidi John, Khaled al-Masri u.ä. als eines Rechtsstaats würdig und verhältnismäßig für Sicherheit ansieht, über den kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Und diese Spirale dreht sich hier schon sehr, sehr lange und gerade das Internet inklusive der dazugehörigen Endgeräte in Form von Smartphones mit einem OS einer Schnüffelbude als Mittel ist da ein Werkzeug, von welchem die teils plumpen Mitarbeiter und Helfer altsozialistischer Geheimdienste nur geträumt haben in ihrer Kalten-Krieg-Denke.

Da sind der Gebrauch von TOR und solchen Tools wie Snowflake zum Umgehen dieses Wahns echt Peanuts.
 
Danke.

Denke, dass es wichtig ist, auch wenn es "peanuts" sind, snowflake zu installieren und es ist gut das es das TOR-Netzwerk gibt.
 
Auch wenn da ein "Böser Bub" mit dabei sein sollte, dann hat man dafür 39 Anderen geholfen.
Man kann Alles für schlechte Dinge missbrauchen, trotzdem kann/sollte man den Rechtschafenden/Hilfsbedürftigen helfen.
Wenn es dann auch noch sehr einfach ist und keine Nachteile für einen selbst hat... Go for it!
snowflake_40.jpg
 
Die Technik hinter Snowflake ist total interessant. Am wichtigsten zu Wissen ist ihr werdet mit Snowflake nicht zu einer Exit-Node sprich ihr seid nicht die letzte Adresse im TOR und nicht die erste im ClearNet. Gleichzeitig hat auch der iranische Anschluss nicht aktiv euer IP das läuft über eine weitere Vermittlungsschicht die dem TOR-Client inter des "xbeliebigen" Nutzers für einen Datenpaketwurf eure IP zuschustert die dann hoffentlich nicht in der LänderFirewall ist :) und originär nicht irgendwie dem TOR-Netz zuordenbar. Wobei ich vermute das es am Ende das übliche Katz&Maus Spiel sein wird er was schneller blockt. Keine Ahnung wie ein Iran sich da aufgestellt hat aber die werden auch eine Art DE-CIX haben nur halt restriktiver als unserer wo man Filtern und DeepPacketInspection machen wird.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • ok1.de
  • IT Refresh - IT Teile & mehr
  • thinkstore24.de
  • Preiswerte-IT - Gebrauchte Lenovo Notebooks kaufen

Werbung

Zurück
Oben