Fritzbox: Lohnt sich "WPA2 + WPA3" statt WPA2?

dark_rider

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Hallo zusammen,

Fritzboxen bieten an, für die WLAN-Verschlüsselung statt WPA2 alternativ "WPA2 + WPA3" einzustellen ("Transition Mode"). Das soll neueren Geräten ermöglichen, sich per WPA3 zu verbinden, während für ältere weiterhin WPA2 zur Verfügung steht. Reines WPA3 gibt es nicht.

Die Sicherheit des gesamten Netzwerkes soll dadurch allerdings nicht erhöht werden, da es WPA2 ja weiterhin gibt und Angriffe darüber nach wie vor möglich sind?

Nachdem ich WPA2 + WPA3 testweise aktivierte, fielen die verbundenen Geräte teilweise (außer einem iPhone) von 5 GHz auf 2,4 GHz zurück und blieben auch dort, bis ich die gespeicherten WLAN-Verbindungen auf den Geräten (die scheinbar fest WPA2 vorsahen) löschte und neu einrichtete, so dass dann WPA2 + WPA3 verwendet wurde. Das erscheint unpraktisch, denn so verlieren die meisten Geräte die 5-GHz-Verbindung, bis man das WLAN auf jedem einzelnen Gerät neu eingerichtet hat.

Nutzt Ihr diesen "Transition Mode" schon?
 
Hast Du auf den Endgeräten das WLAN-Profil gelöscht und es neu verbunden?
 
Den gemischten Modus hatte ich auch einmal aktiviert. Das erwies sich auch bei mir als instabil.
Dass vom Mischbetrieb grundlegend abgeraten wird, hatte ich derzeit irgendwo gelesen, finde diese Aussage gerade nicht im www wieder.

Also ich habe für meine ganzen alten Geräte ausschließlich WPA 2 aktiviert. Und mal ehrlich: Mit unseren Oldies haben wir mangels Sicherheitspatche für das BIOS eigentlich ganz andere Probleme. ;)
 
Dann ist Deine Frage ja beantwortet. Warte mit dem Mischbetrieb, bis AVM die Instabilität gefixed hat und bleibe solange bei WPA2.

Ich bin immer noch bei WPA/WPA2 Mischbetrieb, da ich ein altes Tablet nutze, das bei WPA2 (IMCP) keine Verbindung herstellen kann. Im Mischbetrieb wird hingegen WPA2 (AES) verwendet. - Ja, ich weiß: WPA und "Sicherheit", aber deswegen kaufe ich mir kein neues Tablet, solange das alte seine Aufgabe noch erfüllt..
 
Ich benutze WPA2+WPA3 auf einer Fritzbox der 75er-Generation und einem Repeater 2400. Die modernen Endgeräte benutzen WPA3 und 2,4GHz oder 5GHz (je nach Entfernung) ohne erkennbare Probleme. Die alten haben ihr gewohntes WPA2 auf 2,4GHz.
 
Bei mir führte der Mischbetrieb ebenfalls zu (vereinzelten) Problemen.

Habe daher separate 5GHz SSIDs mit entweder WPA2 oder WPA3 und wähle die Geräte dann entsprechend ein.

Allerdings Unify APs und kein Fritz-WLAN ...
 
Wenn ich es recht in Erinnerung habe, erzwingt die Fritzbox im WPA2+WPA3-Modus PMF, die Sicherheit sollte also etwas höher sein.

Da manche Clients dann evtl. nicht mehr funktionieren, gibt es die Option "Sicherheitseinstellungen für den WLAN-Zugang auf eine erhöhte Kompatibilität für ältere WLAN-Geräte optimieren", die wiederum dafür sorgt, dass im 2,4 GHz Band nur WPA2 ohne PMF genutzt wird.

Bei mir ist WPA2+WPA3 ohne diese Kompatibilitätseinstellung an. Hier kommen alle Geräte bis auf ein T60 ins WLAN.
 
Genau so ist es. Die Protected Management Frames (PMF) machen auf manchen (ur-)alten Geräten Probleme. Meine Eltern hatten mal ein altes WLAN-Multifunktionsgerät, das keine WLAN-Verbindung mehr herstellen konnte, sobald PMF aktiv war. Ich meine, sogar PMF auf Einstellung "optional" reichte dabei schon, dass es Probleme gibt, es musste wirklich komplett deaktiviert sein. Eine Lidl-Küchenmaschine hat meine ich das gleiche Problem, für die habe ich jedenfalls auch mal ein eigenes getrenntes WLAN aufgespannt.

Im WPA2+WPA3-Modus ist PMF mindestens als optional aktiv, evtl. sogar verpflichtend, denn zumindest WPA3 funktioniert nicht ohne PMF. Und das kann dann eben auf alten Geräten für Probleme sorgen.
Mit dem Kompatibilitätsmodus wird dann zwischen 2,4 und 5 GHz unterschieden. 2,4GHz nur mit WPA2 und ohne PMF, 5GHz mit WPA2+WPA3 und mit PMF.

Übrigens kurz zur Erklärung:
Management Frames sind z.B. dafür da, Steuerungsinfos im WLAN zu übermitteln. Darüber ist es auch möglich, Clients abzumelden. Und weil das ursprünglich unverschlüsselt passierte, waren/sind darüber Angriffe möglich.
Im einfachsten Fall loggt man Clients einfach immer wieder aus dem WLAN aus. Dann müssen sie den Handshake erneut durchführen, um wieder ins WLAN zu kommen. Lästig, weil man dann laufend Verbindungsabbrüche hat. Sonst aber harmlos.

Gefährlicher ist aber, dass dies auch genutzt wird, um an das WLAN-Passwort zu kommen. Sehr stark vereinfacht sieht es so aus: WLAN-Pakete werden bei WPA ja verschlüsselt übertragen. Dafür wird aber nicht das WLAN-Passwort genutzt, sondern ein gemeinsam ausgehandelter Schlüssel. Selbst wenn man die Datenpakete im WLAN abfängt, kann man also nicht das ursprüngliche WLAN-Passwort daraus herausbekommen, sondern höchstens den Sitzungsschlüssel. Irgendwie müssen die Clients und der AP aber ja diesen gemeinsamen Schlüssel aushandeln. Das passiert beim Verbindungsaufbau im Rahmen eines "Handshakes" ("4-Wege-Handshake", weil er in 4 Schritten abläuft). Man muss also so einen Handshake abfangen, damit man das Passwort knacken kann. Also nutzt man die ungeschützten Management Frames. Man schickt eine Nachricht an den Client, dass er vom Netz getrennt werden soll. Weil das unverschlüsselt passiert, kann man das auch ohne WLAN-Zugangsdaten. Der Client fliegt aus dem WLAN. Danach will der Client wieder rein ins WLAN. Dafür startet er wieder den Verbindungsaufbau und führt den 4-Way-Handshake durch. Den liest der Angreifer mit. Und hat nun alles, um offline seinen Angriff zu starten - Wörterbuchattacken, Brute-Force, usw. um an das Passwort zu kommen. Mit einem sicheren Passwort beißt er sich immernoch die Zähne aus, mit einem unsicheren Passwort kann er es nun knacken und hat dadurch Zugriff aufs WLAN.

Der Start des ganzen Angriffs waren also die unverschlüsselten Management Frames. Und daher ist es sinnvoll, die Management Frames auch zu schützen, in dem man sie auch verschlüsselt. Denn dann funktioniert die ganze Attacke nicht mehr. Und genau das tut PMF.
Ein ausreichend sicheres WLAN-Passwort verhindert aber zumindest, dass das Knacken des Passworts aus so einem mitgeschnittenen Verbindungsaufbau klappt, aber das ist ggf. dann nur noch eine Frage der Rechenleistung und der Zeit, außerdem klappt das "Rauschmeißen" aus dem WLAN trotzdem. Mit PMF kann ein Angreifer jemanden gar nicht mehr aus dem WLAN rauswerfen und kommt auch gar nicht an die Daten ran, die er zum Knacken des WLAN-Passworts überhaupt braucht.
 
Danke für Eure Erfahrungen und Erläuterungen!

Zumindest beim Kompatibilitätsmodus stellt sich mir die Frage nach dem Sinn, denn wenn jemand - wie oben von cuco erläutert - das WLAN-Passwort anhand eines mitgelesenen Hashs knacken will und das bei einem WPA3-Gerät mit PMF nicht klappt, liest er stattdessen einfach bei einem WPA2-Gerät im selben Netz mit.

Warum also WPA3 aktivieren, solange es parallel auch noch WPA2 gibt - hat das überhaupt irgendeinen Nutzen und nicht ausschließlich etwaige Nachteile durch Inkompatibilitäten?
 
Warum also WPA3 aktivieren, solange es parallel auch noch WPA2 gibt - hat das überhaupt irgendeinen Nutzen und nicht ausschließlich etwaige Nachteile durch Inkompatibilitäten?
Ich sehe es so: Wenn Du beides anbietest, nutzen alle modernen Clients WPA3. Deren Traffic ist dann sicher gegen die erwähnten Angriffe.

Es können sich dann zwar auch Clients mit unsicherem WPA2-ohne-PMF verbinden, aber es werden weniger Clients sein, die insgesamt weniger Traffic verursachen.

Das heißt: Zu jedem gegebenen Zeitpunkt ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass ein Angreifer einen unsicheren WPA2-Client mit runtergelassener Hose ohne PMF erwischt.

Man denkt vielleicht, WPA2+WPA3 ist wie ein Haus das zugleich eine abgeschlossene Vordertür und eine offene Hintertür hat. Aber das ist nicht der Fall, weil die Angriffe ja davon abhängen, dass man in einem konkreten Augenblick einen verwundbaren Client in die Finger kriegt.

Es ist also eher wie bei einem Haus mit einer abgeschlossenen Vordertür und einer Hintertür, die Oma immer dann offen stehen lässt, wenn sie in der Küche sitzt. Solange Oma nicht da ist, oder auf ihrem Zimmer schläft, ist die Hintertür auch zu.
 
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